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1900 - heute

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Schokolade ein exklusives Privileg der Reichen und Berühmten. Schokolade blieb wegen der hohen Kakao- und Zuckerpreise im 19. Jahrhundert sehr teuer. Für die Schokoladenproduzenten konnte ein Wachstum des Schokoladenmarkts nur durch Wachstum der wohlhabenden Klasse erreicht werden.

Um 1900 sanken die Preise der zwei Hauptzutaten der Schokolade – Kakao und Zucker – erheblich. Außerdem führten die Liberalisierung des Kakaohandels und die  Aufhebung der staatlichen Kakaosteuern zu einer wachstenden Demokratisieruung von Kakao und Schokolade. Infolge dessen wurde Schokolade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in nur zehn Jahren für viele bürgerliche Konsumenten erschwinglich. 

In Italien begann Francesco Buitoni, ein Verwandter der bekannten Pasta produzierenden Familie, seine Schokoladenaktivitäten im Jahr 1907 zu entwickeln. Ab 1922 verkaufte er die berühmten “baci”, was auf Italienisch "Küsse" bedeutet. Es waren kleine, in Silberpapier eingewickelte Schokoladenstückchen, die Liebesbotschaften enthielten. Schokolade und Romanze Hand in Hand.
Callebaut-Fabrik

Ganz Europa erlebte zum Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Etablierung der großen Namen der Schokoladenwelt: So auch unsere eigene Marke Callebaut®, welche damit begann Schokolade für Bäcker, Chocolatiers und Konditoren zu produzieren.

Fabrik

Der Anfang des 20. Jahrhunderts leutete die boomende Industrialisierung der Schokoladenproduktion in ganz Europa und den USA ein. Belgien beschäftigte beispielsweise 1910 2200 Arbeitskräfte und diese Zahl stieg im Jahr 1937 auf 6180 an. Das verdeutlicht die Zunahme der Produktionszahlen.

Callebaut-Riegel

Eine belgische Erfindung aus den 20er Jahren war der Schokoladenriegel. In ganz Europa waren Schokoladentafeln von ungefähr 150g ein echter Bestseller geworden. Belgien war das erste Land, in dem die Größe auf 30g und 45g reduziert wurde und die Schokolade in Tafelform angeboten wurde. Viele ausländische Produzenten übernahmen dies. Der Schokoladenriegel wurde ein sehr beliebter, bezahlbarer Snack für ein ultimatives und individuelles Nascherlebnis.

Eine dritte wichtige (wiederum belgische) Erfindung kam von Frans Callebaut, einem der Eigentümer der Callebaut®-Marke. Er erdachte eine Möglichkeit Kuvertüre zu produzieren (Kuvertüre ist eine Schokolade mit einem hohen Gehalt an Kakaobutter/Milchfett, hauptsächlich für gewerbliche Nutzung) und sie in flüssiger Form zu lagern und zu transportieren. Dieser revolutionäre Prozess machte es überflüssig Schokolade in Blöcke, Tafeln oder Riegel zu verfestigen und ermöglichte es, sie direkt an die Lebensmittelproduzenten zu liefern. Das senkte die Produktionskosten für Schokolade und gestattete ihre Integration in viele Lebensmittel, wie Frühstücksflocken, Brot- und Butteraufstriche, gefüllte Riegel, Süßwaren.

Nach dem 1. Weltkrieg gewann die Schokolade allmählich aber sicher einen neuen Status in Mitteleuropa und den Vereinigten Staaten: von einem exklusiven Genuss zu einem Lebensmittel für die Allgemeinheit. Vor dem 1. Weltkrieg konnte die Arbeiterklasse Schokolade nur zu sehr besonderen und seltenen Anlässen genießen: zu Weihnachten oder an Geburtstagen. Geringe Einkommen und hohe Schokoladenpreise machten sie noch immer zu einem Luxusgut. Das änderte sich nach dem 1. Weltkrieg im Zuge einer neuen Welle der Industrialisierung und Automatisierung der Schokoladenproduktion, wobei Belgien eine Vorreiterrolle bei der Maximierung der Kosteneffizienz einnahm.
Form aus den 1920er-Jahren

Die Entwicklung der Schokoladenprodukte wurde sehr stark angekurbelt. Sie war nicht mehr nur auf Getränke und Pralinen beschränkt, sondern es wurde ein fast unendliches Sortiment an neuen Möglichkeiten geschaffen: Hohlfiguren, Schokoladenriegel, gefüllte Eier, Trüffel, Biskuit, Eiskrem, Brot und Frühstücksbrötchen.

Seit dem 2. Weltkrieg sind die Unterschiede im Schokoladenverzehr zwischen Arbeitern, Angestellten und den oberen Einkommensgruppen fast vollständig verschwunden. Es scheint so, dass Arbeiter Schokolade als Tafeln und Riegel bevorzugen, während die oberen Einkommensgruppen lieber Pralinen verzehren.

Werbung von Callebaut

Der Hauptgrund für die erfolgreiche Einführung der Schokolade in den unteren und mittleren Einkommensklassen war hauptsächlich der niedrige Preis, zu dem die Schokoladenprodukte in den 30er und 40er Jahren verkauft wurden. Historiker haben entdeckt, dass Schokolade zwischen den Weltkriegen und danach das preisgünstigste Lebensmittel pro Kilokalorie im Vergleich zu Eiern oder Fleisch war. Viele Arbeiter betrachteten darum Schokoladenriegel als schmackhaftes und sehr bequemes Nahrungsmittel, mit dem sie sich schnell von der schweren Arbeit erholen konnten.

Chocolat Dauphin Chocolat Mexicain

Aber auch der allgemein verbreitete Glaube, dass Schokolade stärkend wirkt, das Liebesleben ankurbelt und die Tatsache, dass es als erschwinglich gewordenes Luxusprodukt galt, machten sie sehr interessant.

Das enorme Wachstum des Schokoladenmarkts fand zwischen dem 2. Weltkrieg und den 80er Jahren statt. Schokolade wurde mehr und mehr in die täglichen Ernährungsgewohnheiten aufgenommen.

Chocolat Kohler Chocolat Menier

Neue Produktentwicklungen machten Schokolade zudem zu einem geschätzten Bestandteil vieler neuer und nahrhafter Lebensmittel.

Seit den 90er Jahren sind viele Konsumenten gegenüber Lebensmitteln ausgewogener und schlichter eingestellt als in den 80er Jahren. Gesundheit wurde eng mit der Nahrung verbunden. Wo in den 80er Jahren auf alle Sorten Zucker und Fett verzichtet wurde, wurden sie in den 90er wieder in geringen Mengen und oft in reiner Form wieder aufgenommen: biologische, koschere oder 100% pflanzliche Schokolade wurde produziert.

Das Schokoladenvergnügen

Der große Unterschied war, dass seit den neunziger Jahren der Genuss von Lebensmitteln und gesunde Ernährung als gleich wichtig eingestuft wurden. Das erklärt, warum Schokolade beliebt blieb: sie bedeutete für Millionen von Menschen das ultimative Spaßerlebnis und wurde bei normalem Verzehr als rein und gesund betrachtet.

Das Ende der Neunziger und der Beginn des 21. Jahrhunderts gaben der Schokolade einen neuen Impuls. Immer mehr Konsumenten auf der ganzen Welt suchen nach einem Nahrungsmittel, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch noch einige funktionellen Vorteile für ihre Gesundheit und ihren Körper zu bieten hat. Wissenschaftliche Studien zu Kakao und Schokolade haben bereits viele mögliche Vorteile des angemessenen Verzehrs von Kakao und Schokolade gezeigt und man erwartet mehr. Vielleicht hatten die spanischen Ärzte und ersten Wissenschaftler im 17. Jahrhundert doch Recht als sie die nahrhaften und gesunden Vorteile von Kakaobohne und Schokolade anpriesen.

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