TREND: Praliné: selbst herstellen oder fertig kaufen?
Kreativer Umgang mit hausgemachtem und fertigem PralinéPraliné selbst herzustellen ist sehr arbeitsintensiv. Logisch
also, dass die Mehrzahl der
Chocolatiers bezüglich ihrer Praliné-Füllungen auf das
Fertigsortiment zurückgreift. Doch weiß der Verbraucher
hausgemachte Varianten durchaus zu schätzen, wie aus den
Erfahrungen von Geert Decoster und Geert Nemegeer deutlich wird,
der wenigen Chocolatiers, die ihre Füllungen noch immer selbst
zubereiten. Doch auch sie geben zu, dass die Zubereitung von
Praliné einem echtem Husarenstück gleicht. Glücklicherweise
eröffnet sich zwischen ‚selfmade’ und ‚ready made’ eine schöne
Zwischenlösung: auch Fertigprodukte kann man äußerst kreativ
verarbeiten!
FERTIG PRALINÉ
Inhaltsstoffe
Die Hauptbestandteile von Praliné sind Haselnüsse, Mandeln und Zucker. Um den höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen, importieren die Hersteller ausgewählte Nüsse in Premium-Qualität. Die Haselnüsse stammen durchgängig aus Italien oder der Türkei; für Mandeln, wendet man sich an Spanien und Kalifornien.
Varianten
Mit Ausnahme von Gianduja gibt es keine gesetzliche Definition
für Praliné, aber in der strengsten Auslegung des Wortes besteht es
aus mindestens 50 % gerösteten Haselnüssen oder Mandeln in
Kombination mit karamellisiertem Zucker. In der Praxis wird der
Begriff etwas weiter ausgelegt, hier versteht man unter Praliné:
Nusspaste
Nusspaste enthält ca. 50 bis 100 % Haselnüsse
und/oder Mandeln. Neben Zucker wird zuweilen auch Öl oder extra
karamellisierter Zucker hinzugefügt.
Verwendung: idealer Geschmacksbringer für Füllungen. Schon eine
kleine Menge sorgt für einen intensiven Nussgeschmack. Dank der
cremigen Textur kann sie beispielsweise mit Schokolade oder Fetten
vermischt werden.
Nusscreme und Gianduja
Nusscreme besteht aus ungefähr 40 % Nüssen, Zucker, Kakaobutter und
eventuell noch Kakaomasse.
Gemäß der Schokoladen-Richtlinie (2000/36) besteht Gianduja aus
Schokolade und fein gemahlenen Haselnüssen (20 bis 40 % Haselnüsse
pro 100 g). Hierzu können noch weitere Nüsse, ganz oder in Stücken,
beigegeben werden (maximal 60 g Nüsse pro 100 g).
Verwendung: beide können als Füllung für Formpralinen oder als
Überzug verwendet werden. Nusscreme ist weicher und heller als
Gianduja.
Nussfüllungen mit Textureffekt
Neben den feinen, homogenen Pralinés gibt es auch Füllungen mit
Textureffekt, so beispielsweise Praliné Feuilletine (eine zarte
Füllung aus Kekskrokant, Milchschokolade und Praliné aus Mandeln
und Haselnüssen) sowie Praliné, bei dem geröstete Nüsse mit
karamellisierten Nüssen vermischt werden.
Verwendung: pur oder als Geschmacksbringer.
Von biologisch bis resistent gegen Fettreif
Neben den oben genannten Varianten umfasst das Fertig-Sortiment
auch Praliné auf Basis von:
biologischen Zutaten
In Reaktion auf die steigende Nachfrage nach biologischen
Grundstoffen wurde eine Bio-Haselnussfüllung auf den Markt
gebracht, die zusammen mit Bio-Schokolade ein zu 100 % rein
biologisches Endprodukt liefert.
Maltit
Haselnusspraliné auf Basis von Maltit kommt dem Geschmack von
traditionellem Praliné sehr nahe und kann ohne Zuckerzusatz mit
Schokolade kombiniert werden.
Pistazien
Neben Pralinés auf Basis von Haselnüssen und/oder Mandeln umfasst
das Fertigsortiment auch ein einzigartiges, handwerklich
hergestelltes Praliné auf Basis von mehr als 50 % gerösteten
Pistazien.
Spezialfette
Bei einigen Herstellern werden die Rezepturen von
Haselnussfüllungen durch die Kombination mit verschiedenen Fetten
und Ölen ergänzt. So können zum Beispiel für
Schokoladenapplikationen bestimmte Fette verwendet werden, die die
Haltbarkeit verlängern oder resistent gegen Fettreif sind.
Herstellungsmethode
Für die Produktion von Nusspaste – ein Praliné aus mindestens 50
% Nüssen und Zucker – unterscheiden wir bis zum heutigen Tage zwei
verschiedene Methoden.
Handwerkliche Produktion
Nüsse und Zucker werden zusammen in Kupferkesseln über dem Feuer
karamellisiert. Danach wird die Masse unter Granti-Walzen zu einer
dicken, flüssigen Masse vermahlen. Dank seines einzigartigen
Geschmacks und seiner exklusiven Struktur ist dieses Praliné
besonders gut für handwerklich arbeitende Chocolatiers geeignet.
Moderne Technologie
Mittels moderner Technologie und Apparatur wird Praliné mit 100 %
Qualitätsgarantie und so gut wie keiner Ölabscheidung produziert.
Dieses Praliné hat ein harmonisches Aroma und kann dank seiner
perfekt flüssigen Struktur sowohl handwerklich wie auch industriell
verarbeitet werden.
Raum für eine persönliche Note
Auch mit Fertig-Praliné kann der Chocolatier endlos experimentieren. Er kann ganz einfach neue Geschmacksrichtungen und Texturen entwickeln, indem er verschiedene Pralinés untereinander oder mit verschiedenen Schokoladensorten vermischt. Es gibt auch diverse hoch stabile Basisfüllungen, die der Chocolatier – durch Hinzufügen weiterer Aromen, Farben und sonstiger Zutaten – zu jedem gewünschten Profil verarbeiten kann.
SELBST GEMACHTES PRALINÉ: EIN (GESCHMACKS-)UNTERSCHIED WIE TAG UND NACHT?
Die Mehrheit der Chocolatiers verwendet
Fertig-Praliné. Eine Ausnahme bilden u.a. Geert Nemegeer von
Chocolaterie 't Karakske in Roeselare und Geert Decoster von
Centho-Chocolates in Duisburg.
Warum stellen Sie Ihr Praliné selbst her?
Geert Nemegeer: „Der Hauptgrund ist der gigantische
Geschmacksunterschied: obwohl es bei industriell hergestelltem
Praliné sehr viele verschiedene Qualitäten gibt, bleibt die selbst
hergestellte Variante durch den sehr intensiven Nussgeschmack doch
bei weitem die leckerste. Da man die Zusammensetzung genau kennt,
kann man viel besser mit Zutatenverhältnissen spielen.”
Geert Decoster: „Sehr viele Hersteller bieten echte Topqualität an,
doch bleibt der Geschmacksunterschied zum hausgemachten Praliné
doch himmelweit. Das beginnt schon bei den Grundstoffen: ich
arbeite ausschließlich mit Haselnüssen aus dem Piemont, zweifellos
die besten der Welt. Außerdem besteht mein Praliné zu 80 % aus
Nüssen, während der Anteil bei industriell hergestelltem Praliné
nur 50 % beträgt. Ich stelle auch fest, dass meine Kunden die
leicht körnige Crunchy-Textur unseres hausgemachten Praliné zu
schätzen wissen.”
Wie stellen Sie Ihr Praliné her?
Geert Decoster: „Ohne die richtige Apparatur ist es
für einen handwerklichen Chocolatier unmöglich, selbst Praliné
herzustellen. Ich habe selbst erst damit begonnen, als mir ein
Rührwerkkessel zur Verfügung stand. Der bietet den Vorteil, dass
man nicht ständig daneben stehen muss. Nach der Einarbeitung der
Nüsse in das Karamell vermische ich alles in einer
Stephan-Maschine. Praliné selbst herzustellen ist ein Lernprozess.
Früher arbeitete ich mit billigeren Nüssen, aber beim Erhitzen (bis
150 °C) wurden sie manchmal schwarz, was einen bitteren Geschmack
zur Folge hatte. Nüsse aus dem Piemont vertragen den
Erhitzungsprozess gut.”
Geert Nemegeer: „Unsere rohen Haselnüsse, die wir über eine
französischen Firma kaufen, werden erst geröstet und dann geschält.
Früher schälten wir von Hand, inzwischen verwenden wir eine
Trommel. Danach fügen wir Zucker hinzu und mixen das Ganze mit
einem Cutter. Im Broyeur wird die Mischung schließlich platt
gewalzt, bis alle Körnchen verschwunden sind.”
Wofür verwenden Sie dieses selbst gemachte
Praliné?
Geert Nemegeer: „Für Pralinen, Trüffel, Ostereier, Meeresfrüchte...
sowie auch für unser Gebäck.”
Geert Decoster: „Bei unseren Schnittpralinen arbeite ich
ausschließlich mit hausgemachtem Praliné. Für Nikolausschiffe
verwende ich aber industrielles Praliné. Das Tempo ist sonst nicht
zu schaffen, und außerdem handelt es sich um ein Produkt für
Kinder: das muss bezahlbar bleiben.”
Ist es Ihrer Meinung nach rentabel, Praliné selbst
herzustellen?
Geert Decoster: „Nüsse aus dem Piemont sind sehr
teuer. Im Vergleich zu Fertig-Praliné liege ich bezüglich des
Einkaufspreises der Grundstoffe also schnell um ein Viertel teurer.
Mit einem Verkaufspreis von 44 Euro pro Kilo lässt sich das jedoch
gut machen. Den Kunden wird hier etwas geboten, was sie woanders
nicht finden können, und das ist meiner Meinung nach auch der
einzige Weg, uns von anderen zu unterscheiden.”
Geert Nemegeer: „Vergleicht man den Einkaufspreis der Grundstoffe
mit industriell hergestelltem Praliné, ist es ungefähr gleich.
Praliné herzustellen ist allerdings sehr arbeitsintensiv. Muss man
hierfür Personal bezahlen, zahlt man drauf. Ich mache es selbst,
zusammen mit meiner Frau, und wir merken, dass sich unser
selbstgemachtes Praliné zu einer Visitenkarte für unser Geschäft
entwickelt hat.”
Quelle: Zeitschrift Chocolaterie