TREND: Die Tonkabohne erobert das Schokoladenatelier
Die verführungskraft der verbotenen FruchtPralinen mit einer würzigen Füllung liegen voll im Geschmackstrend, der nach Frankreich vor einigen Jahren auch Belgien erobert hat. Die Trendsetter von damals sind allerdings davon überzeugt, dass die Hochphase dieses Geschmackstrends schon der Vergangenheit angehört. Die Auswahl von Gewürzen ist jedoch immer mehr oder weniger eine Modeerscheinung. Ein Beispiel ist der Gebrauch der Tonkabohne, ein umstrittenes Gewürz. Umstritten – und vielleicht gerade deshalb „in“ – denn die Tonkabohne gehört zu den Pflanzen, die nicht einfach so für Lebensmittel verwendet werden dürfen. Aber weshalb?
Herkunft und Form
Tonkabohnen wurden aus Südamerika importiert,
genauer gesagt aus Venezuela. Die Bäume werden auch in Westafrika
und insbesondere in Nigeria angebaut. Jede Frucht des Tonkabaums
enthält einen Samen: die Tonkabohne. Tonkabohnen sind
schmal und haben eine längliche Form, außen schwarz und
runzlig und innen braun.
Verarbeitung
Nach der Ernte werden die Tonkabohnen zunächst
getrocknet. Danach werden sie einen vollen Tag
lang in Alkohol eingelegt, um dann erneut
getrocknet zu werden. Während dieser Prozedur kommt es zu
einer Gärung, wobei sich an der Außenseite ein grauer Belag aus
Cumarinkristallen bildet, dem wichtigsten Geschmacksstoff der
Tonkabohne.
Es gibt unterschiedliche Sorten – eine davon ist
ein beliebter Geschmacksverstärker für Desserts. Diese Variante
wird nicht in reinem Alkohol eingelegt, sondern in Rum.
Seitdem die Chocolatiers Gewürze für die Herstellung von Pralinen
entdeckt haben, sind auch die Tonkabohnen bis in die
Schokoladenateliers vorgedrungen.
Geruch und Geschmack
Nach dem Einlegen in Rum, hat die Tonkabohne einen
Geschmack, der zwischen der Milde von Vanille und der Bitterkeit
von Mandel liegt. Natürlich ist durch das Einlegen auch der
Rumgeschmack deutlich ausgeprägt. Die Kombination verschiedener
Aromen macht die Tonkabohne zu einem idealen Begleiter von
Eisdesserts, Patisserie und auch Pralinen. Der Geruch lässt an Vanille,
Mandel, Zimt und Nelken denken. Daher werden Tonkabohnen auch für
Tabakaromen und -blends verwendet.
Die Tonkabohne passt unter anderem gut zu den folgenden Zutaten
bzw. Zubereitungen:
- Crème brûlée
- Sahneeis aus Tonkabohnen
- Plätzchen- oder Rührkuchenteig
- Süßwaren auf Basis von Kokosnuss
Verbotene Frucht
Wie weiter oben schon erwähnt ist die Verwendung von
Tonkabohnen in Lebensmitteln und Zubereitungen umstritten. Das
hängt damit zusammen, dass in Tonkabohnen Cumarin
enthalten ist. Die positive Seite von Cumarin ist, dass es für den
typischen Geschmack der Tonkabohnen sorgt. Negativ hingegen ist,
dass die Tonkabohne bis zu 10 % Cumarin enthält, das aus
verschiedenen Gründen eine Gefahr für die Gesundheit darstellen
kann. Cumarin hat eine blutverdünnende Wirkung und kann bei einer
Einnahme in großen Mengen unter anderem zu Leber- und Nierenschäden
oder Kopfschmerzen führen. Außerdem wird vermutet, dass Cumarin
nicht nur giftig, sondern auch krebserregend ist. Aus diesen
Gründen ist der Gebrauch von Tonkabohnen in den USA schon seit 1954
verboten. Seitdem wurde der schon damals geringe Gebrauch noch
weiter eingeschränkt. In unserem Land wurde die Verwendung von
Tonkabohnen erst 1997 limitiert. Im Rahmen des Königlichen Erlasses
vom 29.08.1997 wurden Tonkabohnen auf die Liste der gefährlichen
Pflanzen gesetzt, die nicht ohne weiteres in Lebensmitteln
gebraucht werden dürfen. Das heißt auch, dass die Verwendung von
Tonkabohnen in Gerichten verboten ist.
Nur als Aroma
Die
offiziellen Küchentüren bleiben für die Tonkabohne also
verschlossen, aber es gibt (glücklicherweise) eine Hintertür. In
Artikel 2, Paragraph 2 des Königlichen Beschlusses steht immerhin,
dass die Bestimmung nicht für die Herstellung von Aromen
aus der Tonkabohne gilt. Diese Aromen werden z. B.
verwendet für Ganache oder Karamellsüßwaren. Das folgende Verfahren
wird empfohlen. Die Bohnen aufbrechen oder raspeln. Die Raspeln in
Sahne oder Milch aufkochen. Das Gemisch durchziehen lassen und in
einem geschlossenen Behälter abkühlen. Durch das Abschließen wird
einerseits verhindert, dass das Aroma sich verflüchtigt und
andererseits, dass andere Lebensmittel im Kühlschrank den Geruch
annehmen. Vor dem Gebrauch sorgfältig abseihen, denn die Tonkabohne
selbst ist nicht genießbar.
Quelle: Zeitschrift Chocolaterie