Interview mit Michaela Karg
Erfahrungen einer Gewinnerin:Im November 2008 fanden in Köln die „German Chocolate Masters“ statt. Als Sieger in dieser Vorentscheidungen ging Michaela Karg vom „Café am Kreuzgang“ in Feuchtwangen hervor und qualifizierte sich somit für das Finale, den „World Chocolate Masters“, in Paris. Dieser wurde im Oktober 2009 im Rahmen des Salon du Chocolat ausgetragen, wo sie gegen 19 weitere nationale Gewinner aus aller Welt antrat. Nach zwei Tagen spannendem Wettbewerb konnte sie den dritten Platz für Deutschland erkämpfen, als beste europäische Teilnehmerin und als erste Frau unter den Top 3.
Hallo Frau Karg. Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben.
Frau Karg, was fasziniert Sie so am Beruf der Konditorin
und im Besonderen was am künstlerischen Arbeiten mit
Schokolade?
M.Karg: Konditorin wollte ich schon von klein auf
werden. Das lag daran, dass mein Vater auch Konditormeister ist und
dass wir zu Hause ein eigenes Geschäft haben. Deshalb bin ich mit
dem Beruf schon aufgewachsen. Als ich meine Ausbildung begonnen
habe, habe ich gemerkt, dass das genau das Richtige ist. Mit
Schokolade habe ich erst später meine ersten Erfahrungen gemacht.
Dabei habe ich festgestellt, dass man aus Schokolade so viele
verschiedene Dinge und obendrein die Leute glücklich machen kann.
Das fasziniert mich daran.
Sie haben vor zwei Jahren an den „German Chocolate
Masters“ teilgenommen. Was hat Sie damals dazu bewogen sich
anzumelden?
M.Karg: Das ist eine ganz lustige Geschichte: Mein Traum
war schon immer an einem Wettbewerb, wie den „German Chocolate
Masters“, teilzunehmen. Das wollte ich schon immer einmal machen!
Dabei habe ich noch keineswegs an die Weltmeisterschaft in Paris
gedacht. Ich hatte die Bewerbung schon geschrieben, sie aber noch
nicht abgeschickt, als mich Herr Knauf, mein ehemaliger
Meisterkursleiter, anrief. Das war kurz vor dem Zeitpunkt, an dem
die Anmeldefrist ablief, und er fragte mich, wo denn meine
Bewerbung sei. Ich sagte ihm, dass sie schon fertig sei, aber dass
ich mir nicht sicher wäre, ob ich an diesem Wettbewerb teilnehmen
sollte. Er ermutigte mich daraufhin und meinte: „wenn nicht jetzt,
wann dann?“. Noch am selben Tag habe ich sie abgeschickt.
Was sind ihre schönsten Erinnerungen an diesen Wettbewerb?
M. Karg: Für mich war alles - die Anreise, die Anspannung
- wahnsinnig aufregend. Genauso gespannt war ich, die anderen
Teilnehmer kennenzulernen. Aber der schönste Moment war der, in dem
ich mit allem fertig war. Als ich meine letzte Kreation präsentiert
habe und der Hut fertig war, fiel die ganze Anspannung von mir ab
und ich war einfach nur erleichtert. Die Siegerehrung lief erst mal
wie im Traum an mir vorbei. Aber das war ein sehr schönes Gefühl!
Frau Karg, Sie waren sehr erfolgreich bei der
Vorausscheidung und haben den 1. Platz gewonnen. Was bedeutet der
Titel „German Chocolate Master“ Ihnen?
M. Karg: Ich habe bei den „German Chocolate Masters“
mitgemacht, um einfach einmal an einem Wettbewerb teilzunehmen. Ich
habe nicht damit gerechnet, dass ich den 1. Platz belegen würde. Im
ersten Moment, als ich hörte, dass ich zum „German Chocolate Master
2008 / 2009“ gewählt wurde, war mein erster Gedanke: „Oh mein Gott
- Paris!“. Und danach: „Oh Gott, dass ist ja jetzt noch einmal eine
Riesennummer größer“. Auf jeden Fall war der Wettbewerb ein sehr
großer Erfolg. Im ersten Moment konnte ich das Ganze gar nicht
glauben. Der Titel bedeutet mir sehr viel.
Hat der Titel auch Auswirkungen auf Ihren beruflichen
Erfolg?
M. Karg: Ja, der Titel hat auf jeden Fall Auswirkungen auf
meinen beruflichen Erfolg. Ich übernehme gerade den Betrieb meiner
Eltern und es kommen viele Anfragen von Radio und Fernsehen. Auch
die Leute interessieren sich sehr dafür und es kommen sehr, sehr
viele neue Gäste vorbei, die mich kennenlernen wollen und etwas
Leckeres aus Schokolade probieren möchten.
Nachdem Sie nicht nur sehr erfolgreich bei den „German
Chocolate Masters“ abgeschnitten haben, sondern nun auch zu den Top
3 der Welt gehören, was planen Sie für die Zukunft?
M. Karg: Ich hätte natürlich verschiedene Möglichkeiten:
Ich könnte zum Beispiel irgendwo in Deutschland ein exquisites
Schokoladengeschäft eröffnen und hätte damit vielleicht auch großen
Erfolg. Aber mein Traum war es schon immer das Geschäft meiner
Eltern zu übernehmen. Die Stadt, in der ich lebe, Feuchtwangen, ist
zwar nicht groß, aber ich fühle mich hier wohl. Und hier versuche
ich im Moment ein bisschen umzustruckturieren. Ein kleiner Umbau
ist geplant, so dass ich meine Schokoladenkreationen schön
verkaufen kann. Daher bin ich in nächster Zeit kreativ und lasse
mir etwas dafür einfallen. Ich möchte mich auf jeden Fall auf
Schokolade spezialisieren.
Das Thema für den diesjährigen Wettbewerb ist „Quetzalcoatl
(der Gott der Azteken) und das göttliche Geschenk Kakao“. Barry
Callebaut rückt somit den Ursprung der Schokolade in den Fokus. Was
fällt Ihnen spontan zu dem Thema ein?
M. Karg: Spontan zu diesem Thema - Schlagwörter, die mir
einfallen sind z.B. Schlange, die Prinzessin oder Kakaofrüchte. Als
ich zum ersten Mal gehört habe, dass es dieses Thema sein soll,
habe ich mir gedacht, dass dies ein so leichtesThema ist, dass es
schon wieder sehr kompliziert sein wird, denn diese Schlagwörter
fallen bestimmt sehr vielen ein. Hierzu etwas ganz Besonderes zu
wählen, wird die Herausforderung sein. Aber es ist ein schönes
Thema – absolut!
Mit Ihrer Erfahrung: was würden Sie denjenigen raten, die
gerne am Wettbewerb teilnehmen möchten?
M. Karg: Ich würde ihnen raten, sich auf jeden Fall auf
diesen Wettbewerb zu konzentrieren. Man sollte nicht halbherzig an
die Sache herangehen und denken, dass man diesen Wettbewerb so
nebenbei macht, sondern man muss schon ein bisschen Zeit und viel
Geduld mitbringen. Was ich noch raten würde ist, dieses Thema
kreativ auszuarbeiten, sich im Vorfeld wirklich große Gedanken zu
machen und sich zu fragen, wie man das Thema am besten umsetzen
kann bzw. wie man kreativ etwas ganz besonderes mit diesem Thema
schafft. Es ist wichtig nicht einfach loszulegen, sondern sich
Gedanken zu machen und sich mit den hauptsächlichen Dingen zu
beschäftigen. Die nebensächlichen Sachen, zum Beispeil wie bereite
ich meine Mappe vor und gestalte sie, sollten nicht als
Hauptaufgabe angesehen werden. Ich glaube, dass es Dinge gibt, die
viel wichtiger sind und für die man sich Zeit nehmen sollte.
Außerdem finde ich es wichtig, dass man als Teilnehmer seine
eigenen Ideen und Kreationen entwickelt und diese präsentiert und
nicht versucht andere zu kopieren. Dazu gehört auch, dass man sich
vor allem auf seine Sache konzentriert und nicht darauf, was die
anderen Teilnehmer machen.
Diese Jahr sind sie nicht als Kandidatin bei den „German
Chocolate Masters“ dabei, sondern nehmen als Jurorin teil. Was sind
Ihre Erwartungen an diese neue Rolle?
M. Karg: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich als Jurorin
teilnehmen darf. Das war schon immer ein Traum und ich glaube, dass
ich besonderen Wert auf die Umsetzung, auf die Kreativität und
darauf, was sich die einzelnen Kandidaten zu dem Thema einfallen
lassen, legen werde. Ich bin einfach wahnsinnig gespannt, was dabei
sein wird!